Kredithürde für Unternehmensnachfolge extrem hoch
Als wäre es nicht schon schwierig genug, geeignete Nachfolger für Unternehmen zu finden, beobachten wir derzeit einen deutlichen Angebotsüberhang bei gleichzeitig rückläufiger Nachfrage.
Besonders problematisch ist, dass die Zahl tatsächlich qualifizierter Interessenten noch deutlich geringer ausfällt. Viele potenzielle Käufer möchten sich zunächst lediglich informieren, erste Einschätzungen einholen oder den Markt sondieren. Zudem stellen wir immer wieder fest, dass Interesse an Unternehmen bekundet wird, ohne dass ein grundlegendes Verständnis für deren Geschäftsmodell vorhanden ist.
Wird schließlich ein vermeintlich geeigneter Nachfolger gefunden, fehlt häufig das erforderliche Eigenkapital, um die Übernahme zu stemmen.
Damit beginnt das eigentliche Dilemma.
Wie der Autor Thomas Sabin kürzlich im FOCUS berichtete, lag die Kredithürde im September 2026 bei 182,7 Punkten und damit weiterhin auf einem historisch hohen Niveau. „Laut Verivox ist die Wahrscheinlichkeit, keinen Kredit zu erhalten, im Vergleich zum Januar 2020 um 83 Prozent gestiegen. Seit 15 Monaten befindet sich der entsprechende Index durchgehend oberhalb der Marke von 180 Punkten.“
Für eine klassische Bankfinanzierung sind daher eine fundierte Qualifikation des Käufers sowie nachweisbare Branchenkenntnisse heute wichtiger denn je. Darüber hinaus spielen werthaltige Sicherheiten, Bürgschaftsbanken und Förderinstrumente der KfW eine entscheidende Rolle.
Wie anspruchsvoll Finanzierungen inzwischen geworden sind, zeigt eine von uns vor wenigen Wochen begleitete Unternehmensnachfolge: Vom Finanzierungsantrag bis zur Auszahlung des Käuferdarlehens vergingen insgesamt 15 Monate. Zusätzlich enthielt der Kreditvertrag Auflagen und Bedingungen, über die Käufer und Verkäufer zuvor nie gesprochen oder Einigkeit erzielt hatten.
Die Zurückhaltung der Kreditinstitute ist dabei zumindest teilweise nachvollziehbar. Angesichts der wirtschaftlichen Folgen der vergangenen Krisen sowie anhaltender globaler Unsicherheiten ist die Sorge vor Kreditausfällen deutlich gestiegen.
Zusammengefasst können wir daher sagen: Die Unternehmensnachfolge scheitert heute oft nicht am fehlenden Interesse, sondern an der Kombination aus Fachkräftemangel, mangelnder Käuferqualifikation, unzureichendem Eigenkapital und zunehmend restriktiven Finanzierungsvorgaben der Banken. Selbst wenn ein geeigneter Nachfolger gefunden wird, stellen die hohen Anforderungen der Kreditinstitute häufig eine erhebliche Hürde dar. Der Nachfolgeprozess erfordert daher mehr denn je eine frühzeitige Planung, fundierte Branchenkenntnisse, ausreichende finanzielle Ressourcen sowie eine professionelle Begleitung, um die Erfolgschancen einer Unternehmensübergabe zu sichern.